Startseite

Pflegeforschung – Newsblog


Was ist das Pflegeforschung-Newsblog?

Auf diesen Internetseiten des Pflegeforschung-Newsblogs stellen wir Ihnen aktuelle, wissenschaftliche Artikel und Berichte mit hohem Evidenzgehalt in leicht verständlicher Form, ggfs. übersetzt aus dem Englischen als Kurzzusammenfassung  zur Verfügung. Diese Zusammenfassungen werden darüber hinaus kommentiert: Stärken und Schwächen oder methodische Besonderheiten werden aufgezeigt.

Die interaktive Form des Blogs erlaubt es den Lesern, zu den Zusammenfassungen eigene Kommentare hinzuzufügen und sich über die vorgestellten Themen auszutauschen. Unser Ziel ist es, so den dringend notwendigen Diskurs zwischen Theorie und Praxis zu fördern.

Warum gibt es das Pflegeforschung-Newsblog?

Der Transfer von neu erworbenem Wissen in die tägliche Pflegepraxis bleibt eine große Herausforderung für die professionell Pflegenden. Dabei stellt die Form, in dem ein Großteil der neusten Erkenntnisse aus der Pflegeforschung zur Verfügung gestellt werden, für viele in der Praxis Tätige eine große Hürde dar, setzt doch das Lesen und die Bewertung wissenschaftlicher Texte – oftmals noch in englischer Sprache –profunde Kenntnisse in Forschungsmethodik und Statistik voraus.

An wen richtet sich das Newsblog?

… Schulen der Gesundheitsfachberufe. Auszubildende können nach relevanten Themen recherchieren und so ihr Wissen mit innovativen Ideen bereichern. Lehrende bekommen Anregungen für den Unterricht. Die Quellen der Originalartikel sind angegeben.

… Einrichtungen der Gesundheitsversorgung. Mitarbeiter können sich
regelmäßig über aktuelle Forschungsergebnisse informieren.

… Studierende der Pflege. Durch die von erfahrenen Pflegewissenschaftlern verfassten
Kommentierungen der Inhalte lernen Studierende den kritischen Umgang mit Studien. Gleichzeitig hilft das umfassende Glossar methodologischer Fachbegriffe
beim Verständnis.

… interessierte Privatpersonen. Das Pflegeforschung-Newsblog ist eine gute Alternative
zu Fachzeitschriften, da es auch internationale wissenschaftliche
Zeitschriften zitiert.

Wie erhalte ich einen Zugang?

Um Zugang zum Pflegeforschung-Newsblog zu erhalten kann eine Einrichtung wie bspw. ein Krankenhaus, eine Pflegeeinrichtung oder Ausbildungstellen eine Lizenz erwerben. Für die dafür notwendige Registrierung muss Anmeldung_Blog ausgefüllt und an uns geschickt (gefaxt) werden. Nach zwei bis drei Werktagen erhalten Sie von uns ein Benutzernamen und ein Passwort . Jeder Mitarbeiter, Student oder Auszubildende der registrierten Einrichtung kann sich dann mittels der Registrierungsinformationen in das Newsblog einloggen. Die Kosten sind für ein:

Jahresabonnement: 274,– €  (zzgl MwSt.)

Probeabonnement für drei Monate: 72,– € (zzgl MwSt.)

zum Login

Beispiel eines Artikels


Unnötig strenge postoperative Nahrungskarenz?

referiert durch: Dr. rer. cur. Antje Tannen

Üblicherweise erhalten Patienten, die sich einer größeren abdominellen Operation unterziehen müssen, postoperativ zunächst keine feste orale Ernährung.  Stattdessen sind nasogastrische Entlastungssonden üblich, gefolgt von einem schrittweisen zunächst flüssigen Kostaufbau,solange bis wieder Stuhl abgesetzt wurde. Gründe für diese strenge Nahrungskarenz sind die Angst vor Anastomoseninsuffizienz, Aspirationspneumonie, Stuhlverstopfung, Übelkeit und Erbrechen. Einen eindeutigen Nachweis,
dass Patienten durch frühzeitige orale Kost ein erhöhtes Risiko für die genannten Komplikationen haben, gibt es bisher nicht, jedoch belegen verschiedene Studien, dass über 70 Prozent der Patienten, die sich einer elektiven kolorektalen Operation unterziehen, frühzeitige orale Kost gut tolerieren. Ein evidenzbasiertes Versorgungskonzept für Patienten nach kolorektalen Operationenwurde in 26 niederländischen Krankenhäusern getestet. Das ERAS-Konzept (enhanced recovery after surgery) beinhaltet neben üblichen Versorgungsroutinen auch Maßnahmen zur Stressreduzierung und zur Wiedererlangung der normalen Körperfunktionen. Frühzeitige Kost ist ein Schlüsselelement. Dabei werden auch eine ausführliche präoperative Patienteninformation, Vermeidung von nasogastrischen Entlastungssonden, thorakale Epiduralanästhesie bzw. Analgesie mit geringeren Opiod- Dosen, Vermeidung von Hypervolämie und ein multimodales Management von Übelkeit und Erbrechen empfohlen. Die Patienten dürfen postoperativ nach vier Stunden anfangen zu trinken und dürfen am ersten postoperativen Tag wieder normal essen. Für einen Vorher Nachher-Vergleich wurden retrospektiv die Krankenakten von 1126 Patienten mit kolorektalen Operationen (= Vorher-Gruppe) analysiert und mit den Daten von 861 Patienten,die nach dem ERAS-Konzept behandelt wurden (= Nachher-Gruppe), verglichen. Die Gruppen waren hinsichtlich Alter und Geschlecht vergleichbar. Signifikante Unterschiede gab es hinsichtlich der Zeit bis zur Wiederaufnahme normaler Kost (fünf Tage in Vorher-Gruppe und zwei Tage in Nachher-Gruppe). Ältere Patienten fingen später an, wieder normale Kost zu essen. Auch unter Berücksichtigung weiterer Variablen wie der Art der kolorektalen Operation blieb ein signifikanter Unterschied bestehen. Am zweiten postoperativen Tag konnten in der Vorher-Gruppe sieben Prozent der Patienten wieder essen, in der Nachher- Gruppe waren es 65 Prozent. Die häufigsten Gründe für eine verspätete Wiederaufnahme der oralen Kost in der Nachher-Gruppe waren Übelkeit/Erbrechen (21 Prozent) und Beibehaltung der traditionellen Versorgung (13 Prozent). Übelkeit und Erbrechen als Grund für eine verzögerte Nahrungsaufnahme war häufiger bei Frauen (25 Prozent) als bei Männern (16 Prozent) dokumentiert. Die Autoren schlussfolgern, dass es erfolgreich gelungen sei, evidenzbasierte Empfehlungen hinsichtlich frühzeitiger oraler Kostzufuhr, in die täglichen Behandlungsroutinen der kolorektalen Chirurgie zu integrieren. Wichtig sei dabei ein einheitliches und effektives Management von Übelkeit und Erbrechen.

Kommentar:

Die vorliegende Studie beschreibt weniger die Wirksamkeit des ERAS-Konzepts, als vielmehr die Machbarkeit der Implementierung. Innerhalb eines Jahres wurde in 26 niederländischen Krankenhäusern das ERAS-Konzept eingeführt. Inwieweit die täglichen Versorgungsroutinen schon vorher mit dem Konzept konform waren ist unklar, jedoch wurde in einem Vorher- Nachher-Vergleich ein relevanter Parameter, die mittlere Zeit bis zur Wiederaufnahme oraler Kost, verglichen, die signifikant gesenkt werden konnte. Der Effekt des Programms, wie schnellere Genesungszeiten oder eine Steigerung der Lebensqualität bzw. weniger unerwünschte Nebenwirkungen im Vergleich zur traditionellen Versorgung, wurde nicht deutlich. Grundsätzlich ist es ein sinnvoller Ansatz, nicht nur Innovationen für ungelöste Probleme oder neue Erkrankungen zu entwickeln und zu testen, sondern auch bestehende Versorgungsroutinen kritisch zu hinterfragen und patientenzentrierte Ergebnisse dabei mehr zu beachten.

Quelle: Maessen J. et al. (2009) To eat or not to eat: Facilitating early oral intake after elective colonic surgery in the Netherlands. Clinical Nutrition. 28, 29 -33

Doi: 10.1016/j.clnu.2008.10.014

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.