Musik und Bewegungsübungen bei agitiertem Verhalten von Menschen mit Demenz

referiert und kommentiert von: Dr. Elke Mertens

Agitiertes Verhalten wird als eine der schwierigsten Herausforderungen in der Pflege demenziell erkrankter Menschen angesehen. Ziel einer randomisiert- kontrollierten Studie in Taiwan war es, dieWirkung einer standardisierten Gruppenintervention auf das Auftreten agitierten Verhaltens bei Pflegeheimbewohnern mit Demenz zu evaluieren. Hier zu wurden 18 der 36 Teilnehmer (26 Männer und 10 Frauen, Durchschnittsalter 77,6 Jahre) der Interventionsgruppe zugeteilt, die sich über einen vierwöchigen Zeitraum zweimal wöchentlich für jeweils 30Minuten traf. Während dieser Zeit wurden Musikstücke gespielt, die bei den Bewohnern bekannt und beliebt waren. Zusätzlich leitete einer der Forscher zu Bewegungsübungen an. Die andere Hälfte der Studienteilnehmer bildete die Kontrollgruppe, die lediglich die übliche Pflege erhielt. Zu Beginn der Erhebung sowie nach zwei und vier Wochen wurden mithilfe des modifizierten „Cohen-Mansfield Agitation Inventory“ (CMAI) der Umfang und die Ausprägung von agitiertem Verhalten erfasst. Die Auswertungen ergaben, dass agitierte Verhaltensweisen in der Interventions- im Vergleich zur Kontrollgruppe klinisch und statistisch signifikant zurückgegangen waren. Während vor der Intervention im Schnitt 5,11 Vorfälle agitierten Verhaltens innerhalb von zehn Minuten beobachtet wurden, waren es nach zwei Wochen 3,94 und nach vier Wochen 3,44. Die Autoren folgern aus den Ergebnissen, dass Musik mit Bewegungsübungen sich vorteilhaft auf das Auftreten agitierten Verhaltens bei Heimbewohnern mit Demenz auswirkt. Wegen der allgemeinen positiven Effekte und der dadurch möglichen Verringerung ruhigstellender Verfahren empfehlen sie eine Einbindung solcher Interventionen in die Pflege solcher Patienten und Bewohner.

Quelle: Sung H.C., Chang S.M., Lee M.S. (2006) The effects of group music with movement intervention on agitated behavious of institutionalized elders with dementia in Taiwan. Complementary therapies in medicine 14 (2), 113–119

Kommentar:  

Die Schlussfolgerung der Autoren ist schlüssig und nachvollziehbar. Auch wenn das Ausmaß der Reduktion auf den ersten Blick eher gering zu sein scheint, kann man sich doch vorstellen, dass der Pflegealltag durch einen Rückgang agitierten Verhaltens um ein Drittel drastisch erleichtert wird. Für die Betroffenen sind die Veranstaltungen begrüßenswert, da neben der nachgewiesenen Reduktion des agitierten Verhaltens und des damit einhergehenden Leidensdrucks auch weitere positiveWirkungen durch die Aktivierung und den sozialen Charakter der Intervention zu erwarten sind. Die Studie bestätigt die bisher belegten positiven Effekte von Musik und Musiktherapie. Inwieweit die Ergebnisse auf den deutschen Kontext übertragbar sind, muss erst untersucht werden. Neben unterschiedlichen kulturellen Voraussetzungen ist der ungewöhnlich hohe Männeranteil in der Studiengruppe zu beachten. Es wäre also wünschenswert, vergleichbare Studien mit repräsentativer Stichprobe in Deutschland durchzuführen. Hierbei sollte unbedingt die zielgruppengerechte Musikauswahl beachtet werden, derenWichtigkeit von Sung und Kollegen betont wird. Sie beschreiben durchweg positive Reaktionen der Bewohner, die durch die Musik angeregt wurden und teilweise mitsangen.

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