Artikel des Monats Januar- Sturzprävention – was wirkt?

referiert und kommentiert von: Dr. Elke Mertens

Eine Gruppe britischer Sturzexperten hat unlängst in einer systematischen Übersichtsarbeit untersucht, inwieweit die Wirksamkeit von Strategien zur Sturzprävention in Krankenhäusern und Pflegeheimen wissenschaftlich belegt ist. In einem weiteren Schritt überprüften sie den Einfluss von Demenz und kognitiven Einschränkungen auf Sturzereignisse. Bei der Literaturrecherche wurden im ersten Schritt 1207 Quellen identifiziert, von denen 43 den inhaltlichen und methodologischen Einschlusskriterien entsprachen. In 13 der ausgewählten Studien war die Wirkung von mehr dimensionalen Präventionsstrategien in Krankenhäusern untersucht worden. Per Metaanalyse wurden die Resultate zu einem Gesamtergebnis zusammengefasst. Es konnte festgestellt werden, dass die „Rate Ratio“ für Patienten in den Interventionsgruppen 0,82 betrug. Die „Rate Ratio“ gibt in diesem Fall an, wie hoch die Häufigkeit von Stürzen in der Präventionsgruppe im Vergleich zur Kontrollgruppe ist. Eine Ratio von 1 würde bedeuten, dass in beiden Gruppen gleich häufig gestürzt wurde. Die ermittelte „RateRatio“ von 0,82 belegt folglich einen protektiven Effekt der untersuchten Intervention. Bezogen auf die Anzahl gestürzter Personen und aufgetretener Sturzverletzungen konnten keine signifikanten Effekte festgestellt werden. Die Auswertung von elf in Pflegeheimen durchgeführten Studien ergab für Bewohnergruppen, die Hüftprotektoren trugen, eine „Rate Ratio“ von 0,67 in Bezug auf die Häufigkeit proximaler Femurfrakturen. Auf die Anzahl der Stürze ließen sich keine signifikanten Auswirkungen feststellen. Alle anderen Studien, zum Beispiel zu speziellen Alarmsystemen oder zur Überprüfung bzw. Umstellung der Medikation, waren wegen unzureichender Qualität für Metaanalysen nicht geeignet oder zeigten keine signifikanten Effekte in den zusammenfassenden Analysen. Jedoch gibt es einzelne Studien, in denen klare Erfolge für die untersuchten Interventionen verzeichnet worden waren, beispielsweise eine deutliche Senkung der Sturzrate durch Reduzierung von Fixierungen. Für Demenz und kognitive Einschränkungen fand sich in den durchgeführten Analysen kein signifikanter Zusammenhang mit Sturzereignissen,was aber nach Aussage der Autoren wahrscheinlich auf die heterogenen Daten – sowohl Definitionen als auch Messinstrumente differierten von Studie zu Studie – und auf die hohe Prävalenz von Demenz in den untersuchten Populationen zurückzuführen ist.

Quelle: Oliver D. et al. (2007) Strategies to prevent falls and fractures in hospitals and care homes and effect of cognitive impairment: systematic review and meta-analysis. BMJ 334, 82, Epud 2006 Dec 8.

Kommentar:

Die Übersichtsarbeit von Oliver und Kollegen zeigt einmal mehr, wie schwierig es ist, das komplexe Phänomen Sturz und Effekte von Präventionsmaßnahmen abzubilden. Bei der Zusammenfassung und Bewertung der bisher durchgeführten Studien stellen nicht nur die verschiedenen Fragestellungen, Methoden und Interpretationen eine Herausforderung dar, denn zugleich muss immer bedacht werden, dass auch strukturelle Faktoren (Anzahl und Qualifikation des Personals) und die Forschung selbst („Kontamination“ der Kontrollgruppe) die Ergebnisse beeinflusst haben können. Umso stärker ist hervorzuheben, dass für zwei Präventionsstrategien klare Effekte nachgewiesen werden konnten, sodass man nun bei multidimensionalen Programmen in Krankenhäusern (Reduktion der Sturzrate) und bei Hüftprotektoren in Pflegeheimen (Reduktion der Rate proximaler Femurfrakturen) von evidenzbasierten Interventionen sprechen kann, die zur Prävention von Stürzen und Sturzfolgen angewendet werden können und sollten.

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