Integrierte Versorgung von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung

referiert und kommentiert von: Dr. Elke Mertens

Krankenhauseinweisungen infolge Exazerbation chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) reduzieren die gesundheitsbezogene Lebensqualität der Betroffenen, hängen häufig mit einer Prognoseverschlechterung zusammen und verursachen Kosten für das Gesundheitssystem. Unter der Annahme, dass bei besserer Versorgung viele dieser Einweisungen verhindert werden könnten, wurde in spanisch-belgischer Zusammenarbeit ein einfaches, standardisiertes und leicht zu etablierendes Modell der integrierten Versorgung entwickelt und evaluiert. Zur Überprüfung des Versorgungsmodells wurden 155 Patienten (17 Prozent weiblich) in Barcelona (n = 113) und Leuven (n = 42), die sich wegen einer COPD Exazerbation in stationärer Behandlung befunden hatten, für eine zwölfmonatige Langzeitstudie gewonnen. Die Studienteilnehmer wurden randomisiert entweder der Interventionsgruppe mit integrierter Versorgung oder der Kontrollgruppe mit Standardversorgung zugeteilt. Das Durchschnittsalter der 65 Patienten in der Interventionsgruppe betrug 70 Jahre, das der Kontrollgruppe (n = 90) 72 Jahre. Das Interventionsprogramm musste den unterschiedlichen Gesundheitssystemen angepasst werden, die vier Kerninhalte waren jedoch in beiden Ländern gleich: Als Erstes wurde ein umfassendes Assessment, bezogen auf die Schwere der Erkrankung und die Komorbidität sowie den sozialen Unterstützungsbedarf, durchgeführt. Im zweiten Schritt erhielten die Patienten bei der Entlassung eine umfassende Schulung zum Selbstmanagement der Erkrankung. Drittens wurde ein leitliniengestützter, individuell auf die jeweiligen Patienten zugeschnittener Versorgungsplan erstellt, der mit den Pflegeteams vor Ort und mit einem spezialisierten Case Manager abgestimmt wurde. Viertes zentrales Element war die Möglichkeit, über ein webbasiertes Callcenter jederzeit Kontakt zu dem spezialisierten Case Manager aufnehmen zu können. Die Patienten der Kontrollgruppe erhielten dagegen bei Entlassung lediglich leitlinienbasierte Medikationsempfehlungen, im Weiteren wurden sie von ihren Hausärzten behandelt. In der zwölfmonatigen Untersuchung zeigten sich in der Interventionsgruppe im Durchschnitt eine niedrigere Einweisungsrate (Mittelwert 1,5) als in der Kontrollgruppe (Mittelwert 2,1) sowie ein höherer Prozentsatz von Patienten, die gänzlich ohne Wiedereinweisung ausgekommen waren (49 versus 31 Prozent). Diese Unterschiede waren statistisch signifikant, während sich für die Unterschiede in der Mortalität (19 Prozent versus 16 Prozent) keine statistische Signifikanz nachweisen ließ. Aus den Studienergebnissen folgern die belgischen und spanischen Forscher, dass das standardisierte Versorgungsmodell effektiv Wiedereinweisungen und stationäre Behandlung bei COPD-Exazerbation verhindern kann. Die Effektivität des Programms führen sie auf die Kombination der Komponenten Schulung, standardisierte Versorgung, Abstimmung der verschiedenen Versorgungsebenen und den Zugang zum Case Manager zurück.

Quelle: Casas A., Troosters T., Garcia-Aymerich J., Roca J., Hernandez C., Alonso A. et al. (2006) Integrated care prevents hospitalisations for exacerbations in COPD patients. European Respiratory Journal 28, 123–1 30. doi: 10.1183/09031936.06.00063205

Kommentar:  

Casas und Kollegen präsentieren ermutigende Ergebnisse, die für die Einführung des beschriebenen integrierten Versorgungsmodells sprechen. Trotz kleiner Fallzahlen konnten deutliche und statistisch signifikante Unterschiede zug unsten der Interventionsgruppe nachgewiesen werden. Dass sich diese Unterschied ein beiden Ländern zeigten, spricht für die Stabilität der Ergebnisse. Eine mögliche Verzerrung liegt in der hohen Mortalität in der Interventionsgruppe, da durch den Tod besonders anfälliger Untersuchungsteilnehmer eine Selektion zugunsten widerstandsfähigerer Patienten stattgefunden haben könnte.

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