Artikel des Monats Dezember – Weniger Krankenhauseinweisungen von Pflegeheimbewohnern durch klinischen Behandlungspfad

referiert und kommentiert von: Dr. Elke Mertens

Pneumonien und schwere Atemwegsinfektionen sind ein häufiger Grund für die Einweisung von Pflegeheimbewohnern ins Krankenhaus. Aus ökonomischer Sicht, aber auch, umzusätzliche Belastungen für die Betroffenen zu vermeiden, wäre es wünschenswert, solche Verlegungen zu umgehen. In einer kanadischen Studie wurde nun untersucht, ob ein klinischer Behandlungspfad hilft, die Einweisungsrate und die damit verbundenen Komplikationen und Kosten zu reduzieren. In dieser randomisierten kontrollierten Studie (RCT) wurden 680 Bewohner aus 22 Pflegeheimenmittels Cluster-Randomisierung einer Interventions- oder einer Kontrollgruppe zugewiesen. Cluster- Randomisierung bedeutet, dass jeweils alle Studienteilnehmer einer Institution per Zufallsverfahren in eine der beiden Gruppen aufgenommenwurden. Die Bewohner wurden in die Studie einbezogen, wenn sie 65 Jahre oder älter waren und laut einer standardisierten Definition eine Infektion der unterenAtemwege (Pneumonie oder Bronchitis) aufwiesen. In der Interventionsgruppewurde ein klinischer Behandlungspfad angewandt. Er bestand aus der engmaschigen Überwachung durch eine speziell qualifizierte Pflegekraft und einem standardisierten Plan für die Vor-Ort-Behandlung und -Diagnostik mithilfe mobiler Thorax-Radiologie, oraler Antibiose sowie Kontrolle der Sauerstoffsättigung und der Rehydratation (ausreichende Zufuhr von Wasser und Elektrolyten). Die Kontrollgruppe erhielt die in der jeweiligen Einrichtung übliche Versorgung. In beiden Gruppen wurden die Anzahl der Krankenhauseinweisungen, die Dauer der Krankenhausaufenthalte sowie Mortalität, funktioneller Status, gesundheitsbezogene Lebensqualität und Kosten protokolliert. Insgesamt 34 (10 Prozent) von 327 Teilnehmern der Interventionsgruppe wurden ins Krankenhaus eingewiesen, in der Kontrollgruppe waren es 76 (22 Prozent) von 353 Bewohnern. Folglich lag die durchschnittliche Anzahl der Krankenhaustage pro Patient in der Interventionsgruppe mit 0,79 Tagen unter der der Kontrollgruppe (1,74 Tage). Der Unterschied in der Mortalität war nicht statistisch signifikant, sie betrug 8 bzw. 9 Prozent. Auch in der gesundheitsbezogenen Lebensqualität und im funktionellen Status ließ sich kein Unterschied zwischen den Gruppen nachweisen. Die Kostenersparnis durch den klinischen Behandlungspfad wurde mit 1016 US-Dollar pro behandelten Bewohner beziffert. Die Autoren der Studie werten den Einsatz des klinischen Behandlungspfades bei Pflegeheimbewohnern mit Infektionen der unteren Atemwege als erfolgreich, da hierdurch vergleichbare Ergebnisse bei gleichzeitiger Reduktion der Einweisungsrate und der entstehenden Kosten erzielt werden konnten.

Quelle: Loeb M. et al. (2006) Effect of a clinical pathway to reduce hospitalizations in nursing home residents with pneumonia: a randomized controlled trial. JAMA, 295 (21), 2503–2510. DOI: 10.1001/jama.295.21.2503

Kommentar: 

Bei der Studie von Loeb et al. stimmen Fragestellung und Methodologie überein und es wurde eine ausreichend große Zahl von Teilnehmern untersucht, um aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen. Die Annahme, dass eine Krankenhauseinweisung zulasten der Lebensqualität der Bewohner geht, konnte nicht bestätigt werden. Dies könnte damit zusammenhängen, dass die gesundheitsbezogene Lebensqualität erfasst wurde und die Einschränkungen durch die akute Erkrankung andere Aspekte der Lebensqualität überstrahlt haben. Der Nachweis der Kostenersparnis durch Reduktion der Einweisungsrate ist begrüßenswert und die Durchführung entsprechender Studien oder Modellprojekte in Deutschland würde sich im Rahmen der aktuellen Diskussion über die ärztliche Versorgung von Pflegeheimbewohnern anbieten. Hierbei sollte bedacht werden, dass der Erfolg einer solchen Maßnahme von der Güte des Standards und der Durchführung abhängt.

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