Hausbesuche durch Psychiatriepflegekräfte bei postnataler Depression

referiert und kommentiert von: Dr. Antje Tannen

Frauen mit postnataler Depression leiden unter Stresssymptomen, die die Interaktion zwischen Mutter und Kind negativ beeinflussen können. Zudem können sie die Entwicklung des Kindes stören und die psychische Gesundheit des Partners beeinflussen. Besonders innerhalb der ersten vier Monate nach der Entbindung ist das Risiko zu erkranken erhöht. Psychosoziale Interventionen haben sich hier als wirksam erwiesen, jedoch wurde deren Erfolg bisher wenig untersucht. In einer japanischen Studie wurde der Effekt von Hausbesuchen durch Psychiatriepflegekräfte bei betroffenen Muttern untersucht. Während der routinemäßigen Kontrolluntersuchung einen Monat nach der „Entbindung wurden die Mutter aufgefordert, an der Studie teilzunehmen. 361 Mütter wurden mithilfe der Edinburgh Postnatal Depression Scale“ (EPDS) auf eine mögliche Depression eingestuft. 66 (18,3 Prozent) überschritten dabei den kritischen Punktwert (9). In einem strukturierten klinischen Interview in der häuslichen Umgebung wurde geklärt, ob es sich um eine schwere oder moderate Depression handelte. Ausgeschlossen wurden Frauen, die vor der 36 Woche entbanden, ein Neugeborenes mit schweren Erkrankungen oder eine Mehrlingsgeburt hatten, Antidepressiva einnahmen oder während der Studie andere medizinische Behandlungen erhielten. Letztlich wurden 18 Frauen per Zufall in die Interventions- oder in die Kontrollgruppe aufgenommen. Die Frauen der Kontrollgruppe erhielten die übliche Versorgung und eine Kontrolluntersuchung vier Monate nach der Entbindung. Die Interventionsgruppe erhielt zwischen dem ersten und vierten Postnatalmonat zusätzlich vier Hausbesuche von einer Psychiatriepflegekraft. So sollten die Symptome einer Depression reduziert und die Lebensqualität verbessert werden. Zentrale Elemente waren aktives Zuhören und Akzeptanz, Psychoedukation bezogen auf die Symptome einer Depression und Beratung im Umgang (Coping) mit problematischen Situationen. Drei weibliche erfahrene Psychiatriepflegekräfte wurden dafür geschult und supervidiert. Daten wurden vor der Intervention sowie eine und sechs Wochen im Anschluss daran erhoben. Die Mütter der Interventionsgruppe wurden anschließend zusätzlich interviewt. Eine Woche nach der Beendigung der Maßnahme hatten die Frauen in der Interventionsgruppe keine Symptome einer Depression mehr. In der Kontrollgruppe zeigten dagegen sechs von neun keine Besserung ihrer Symptomatik. Auch nach sechs Wochen waren die Frauen in der Interventionsgruppe beschwerdefrei, in der Kontrollgruppe wiesen noch drei von neun die Symptome auf. Im Gegensatz zur Kontrollgruppe konnte auch die Lebensqualität der Frauen in der Interventionsgruppe signifikant verbessert werden: Sie erfuhren Sicherheit und seelische Erleichterung durch die Gespräche. Es gelang ihnen, ihre Gedanken zu sortieren und auszudrücken, sie verbesserten ihre Copingstrategien (zum Beispiel besserer Umgang mit Stresssituationen). Daneben verloren sie die Scheu, andere um Rat oder Hilfe zu fragen.

Quelle: Tamaki A. (2008) Effectiveness of home visits by mental health nurses for Japanese women with post-partum depression. International Journal of Mental Health Nursing 17, 419–427. 

Kommentar:  

Junge Mütter müssen sich nach der Geburt in verschiedenen Aufgaben bewähren, wie Selbstfürsorge, Mutterschaft und Haushalt. Die Auswirkungen einer Depression sind daher ernst zu nehmen und müssen früh erkannt und behandelt werden. Non-direktive Beratungsstrategien in der häuslichen Umgebung erwiesen sich in der Studie als effektiv und sind durch den aufsuchenden Charakter möglicherweise zentralen Hilfsangeboten in der Gemeinde überlegen. Da auch in der Kontrollgruppe einige Frauen eine Besserung der Depression zeigten, ist unklar, ob es sich hier um eine Spontanheilung handelt oder ob die Befragung und Studienteilnahme an sich schon einen therapeutischen Effekt hat. Da auch die Stichprobengröße sehr klein ist, empfiehlt sich eine Wiederholung der Studie in einem größeren Studienkollektiv. Dennoch geben diese ersten Ergebnisse einen positiven Impuls für das pflegerische Handeln im ambulanten Bereich.

Dieser Beitrag wurde unter Coping/Stresstoleranz abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort