Der Schlüssel zum erfolgreichen Medikamenten-Selbstmanagement

referiert und kommentiert von: Dr. Elke Mertens

Viele zu Hause lebende ältere Menschen müssen täglich Medikamente einnehmen. Falsche Dosierungen oder das Vergessen der Einnahme können stationär zu behandelnde Gesundheitsstörungen nach sich ziehen. Was führt zu diesen Fehlanwendungen? Um das herauszufinden, wurde kürzlich in den USA eine qualitative Studie durchgeführt. Neunzehn über 65-Jährige, die größtenteils selbstständig in Seniorenwohnungen lebten, wurden gefragt, wie sie die Einnahme und den Nachschub ihrer Medikamente organisieren und wie ein typischer Tagesablauf aussieht. Den theoretischen Rahmen der Untersuchung bildete die Selbstpflegedefizittheorie (SPDT) von Dorothea E.Orem. Die Interviews wurden mittels offener Fragen geführt. Die Fragen bezogen sich dabei auf das Selbstmanagement bei der Medikation einschließlich möglicher Probleme und Erfolge sowie der erwarteten Wirkung auf die Gesundheit. Der Interview- Leitfaden war so konstruiert, dass er die innerhalb der SPDT als wichtig für die Selbstpflege erachteten Bereiche abdeckte. Mithilfe einer induktiven Analyse wurde anhand dieser Daten das Medikamenten- Selbstmanagement beschrieben. Die Studienteilnehmer berichteten über im Mittel neun Medikamenteneinnahmen pro Tag. Die Analyse der Interviews führte zur Identifikation von drei Themenkomplexen: (1) erfolgreiches Medikamenten-Selbstmanagement, (2) geregeltes Leben und (3) gesundes Altern. Im ersten Themenbereich wurden neue Gewohnheiten annehmen, bestehende Routinen an neue Anforderungen anpassen, Fehleinnahmen vorbeugen, Zusammenarbeit mit dem Arzt, Vereinfachung der Medikamenteinnahme, Wertschätzung der Medikamente und Kostenmanagement genannt. Die häufigste Strategie zur Einhaltung war die Sieben-Tage-Tablettenbox. Daneben deponierten die Befragten die Medikamente sichtbar oder nahmen die Medikamente zur Mahlzeit ein. Der zweite Bereich umfasste die Organisation der täglichen Routinen sowie Aktivitäten, die dazu dienen, etablierte Regelmäßigkeiten trotz physischer Einschränkungen zu erhalten. So hatten die meisten Teilnehmer einen festen Tagesablauf mit wechselnden Aktivitäten. Zum dritten Thema gehörte es, aktiv zu sein, aktiv zu bleiben und sich selbst als gesund zu erleben. Hier nannten die Befragten physische, soziale und intellektuelle Aktivitäten. Im Gegensatz zu den Ergebnissen anderer Untersuchungen zeigten die Befragten ein sehr erfolgreiches Medikamenten- Selbstmanagement. Die Teilnehmer hatten sich ein System eingerichtet, das an ihren individuellen Tagesablauf angepasst war. Besonders auffällig war, dass viele der Interviewten den Wert der Medikation für die Gesundheit und ein gutes Altern betonten. Als wichtigstes Ergebnis führen Swanlund et al. an, dass die Befragten Kraft und Zeit in die Erhaltung eines geregelten Lebensstils investierten und Wert auf ein gesundes Altern legten. Hierin sehen sie die Grundlage für ein erfolgreiches Medikamenten-Selbstmanagement und leiten die Empfehlung ab, entsprechende Schulungs- und Beratungsprogramme anzubieten, die zur Entwicklung individueller Strategien für das Medikamenten-Management befähigen.
Quelle: Swanlund S.L., Scherck K.A., Metcalfe S.A., Jesek-Hale S.R. (2008) Keys to successful self-management of medications. Nursing Science Quarterly 21 (3) 238–246.

Kommentar:
Die im Gegensatz zu anderen Studienergebnissen überraschend positiven Ergebnisse bezüglich des Selbstmanagements der Probanden werden von Swanlund et al. ausreichend diskutiert und mit der Auswahl der Studienteilnehmer schlüssig erklärt. Alle Teilnehmer besaßen ein hohes Bildungsniveau und hatten das Medikamenten- Management langjährig geübt. Die Ergebnisse vermitteln ein umfassendes Bild über die Komponenten, die zu einem erfolgreichen Medikamenten-Selbstmanagement führen. Die daraus abgeleiteten Empfehlungen für Schulungs- und Beratungsprogramme können auch bei individuellen Beratungsgesprächen umgesetzt werden. Man sollte hierbei nicht versuchen, den Patienten ein Patentrezept an die Hand zu geben, sondern sie bei der Entwicklung individueller Strategien unterstützen. Konkret hieße das zum Beispiel, die Medikamenteneinnahme in den jeweiligen Tagesablauf zu integrieren und zu vereinfachen.

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