Body-Mass-Index-Warnung?

referiert und kommentiert von: Dr. Antje Tannen

Zunehmend mehr Menschen leiden an Übergewicht. Sie haben ein erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit, Diabetes mellitus II, degenerative Gelenkerkrankungen, Gallensteine, Hypertonus, obstruktive Schlafapnoe und verschiedene Krebserkrankungen. Hausärzte sollen diesen Patienten Maßnahmen zur Gewichtsreduktion empfehlen, wie Diät, Sport, eventuell Medikamente und Programme zur Gewichtsreduktion oder chirurgische Eingriffe. Häufig übersehen Hausärzte aber die Diagnose Adipositas oder geben übergewichtigen Patienten nicht die entsprechenden Ratschläge. Es gibt Studien, in denen sich eine elektronische Aufforderung in der Patientenakte als effektiv erwiesen hat, zum Beispiel bei Impfterminen. Die Studienlage bezüglich einer elektronischen „Warnung“ bei einem auffällig hohen BMI war bisher noch unzureichend. Amerikanische Forscher aus North Carolina untersuchten daher den Effekt einer elektronischen Meldung eines zu hohen BMIs in der Patientenakte von Hausärzten in Form von häufigeren Diagnosestellungen und häufigerem Behandlungsangebot bei übergewichtigen Patienten. Eingeschlossen wurden 846 „aktive“ Patienten, die mindestens einmal in den vergangenen drei Jahren beim Hausarzt waren, die mindestens 20 Jahre alt waren und einen BMI von mindestens 30 hatten. Schwangere wurden ausgeschlossen. Per Zufallsverfahren wurden die 37 teilnehmenden Ärzte in Interventions- und Kontrollgruppe eingeteilt. In der Interventionsgruppe wurden die Patienten vom medizinischen Personal gewogen und ihre Größe gemessen. Mit Hilfe von Berechnungstabellen wurde der BMI bestimmt und in die elektronische Akte zusammen mit anderen Vitalparametern eingetragen. Auch in der Kontrollgruppe wurden Gewicht und Größe dokumentiert, aber nicht als BMI eingetragen. In beiden Gruppen wurden die Patienten von den Hausärzten untersucht, diagnostiziert und therapiert. Die Behandlungspläne wurden nach zwei Monaten ausgewertet. Adipöse Patienten, deren Hausärzte einen Hinweis auf einen zu hohen BMI in der elektronischen Akte fanden, erhielten signifikant häufiger die Diagnose Adipositas (16,6 Prozent vs. 10,7 Prozent). Zudem erhielten adipöse Patienten der Interventionsgruppe (14,0 Prozent) häufiger eine Diätempfehlung als adipöse Patienten der Kontrollgruppe (7,3 Prozent) und häufiger eine Empfehlung für Sport (12,1Prozent vs. 7,1Prozent). Die Autoren schlussfolgern, dass ein elektronischer Hinweis auf einen zu hohen BMI die Wahrscheinlichkeit erhöht, das Adipositas diagnostiziert und Behandlungen empfohlen werden.

Quelle: Schriefer S.P., Landis S.E., Turbow D.J., Patch S.C. (2009) Effect of Computerized Body Mass Index Prompt on Diagnosis and Treament of Adult Obesity. Fam Med 41(7),502-7. http://www.stfm.org/fmhub/fm2009/July/Susan502.pdf

Kommentar:

Die Studie adressiert ein Gesundheitsproblem mit hohem präventivem Potenzial. Unerkanntes und über lange Zeit unbehandeltes Übergewicht hat ernste Langzeitkomplikationen in Form von chronisch degenerativen Erkrankungen. Durch eine offensichtlich einfache technische Hilfe können im ambulanten Setting mehr Betroffene erkannt und beraten werden. Dennoch sind die Raten an tatsächlich diagnostizierten adipösen Patienten alarmierend gering (16,6 Prozent). Methodische Grenzen dieser Studie liegen in der Auswertung von Akten, die lediglich aufzeigen, was dokumentiert wurde und nicht was tatsächlich im Arzt-Patient-Kontakt stattfand.

 

Dieser Beitrag wurde unter Ernährung, Gesundheitsförderung abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort