Irrigation bei Kolostomaträgern – mehr Kontinenz und Lebensqualität?

referiert und kommentiert von: Dr. Antje Tannen

Die Anlage eines endständiges Kolostomas hat für den Betroffenen weitreichende Folgen. Wahrgenommene Änderungen im Körperbild, das Gefühl von Unzulänglichkeit oder auch Depressionen, die Angst vor ungewolltem Stuhlabgang, vor Aufblähen der Stomabeutel oder vor schlechten Gerüchen können zur sozialen Angst oder Selbstunsicherheit führen. Eine Möglichkeit, diesen Komplikationen entgegenzuwirken, bietet die Kolonirrigation, also das Einbringen von Spülflüssigkeit in das Kolostoma zur Darmentleerung. Durch die regelmäßige Anwendung kann die Defäkation reguliert werden. Pflegewissenschaftler in Ankara, Türkei, haben die Wirksamkeit der Kolonirrigation im Hinblick auf die Stuhlkontrolle und die Lebensqualität untersucht. Hierfür wurden Personen mit linksseitiger Kolostomie ausgewählt und über die Ziele der Untersuchung informiert. Eine Gruppe von 25 Patienten entschied sich nach Beratung für die Irrigation und eine Gruppe von 10 Patienten dagegen. Sie wurden als Vergleichsgruppe in die Studie aufgenommen. Alle Patienten wurden aufgrund eines Rektumkarzinoms Stadium 2 oder 3 operiert und unterzogen sich einer Chemo- und/oder Strahlentherapie. Patienten mit Rektumkarzinom Stadium 4, Metastasen oder stomabedingten Komplikationen wie parastomaler Hernie oder Prolaps waren von der Studie ausgeschlossen. Die erste Irrigation wurde durch eine auf Stomapflege spezialisierte Pflegekraft durchgeführt. Ein standardisiertes Kolonirrigationsset wurde hierfür benutzt. Innerhalb von fünf bis sechs Minuten wurden über das Drainagesystem mit einem kegelförmigen Tubus circa 750 bis 1000 Milliliter warmes (37 °C) Wasser instilliert und anschließend wieder abgelassen. Die Patienten befanden sich dabei in sitzender Position. Ihnen wurde empfohlen, dieses Vorgehen jeden Morgen und jeden Abend 30 Minuten nach den Mahlzeiten zu wiederholen. Nach einer Woche fand eine erneute Konsultation statt, während der die Patienten die Irrigation selbst durchführen sollten. Somit konnte die Stomaspezialistin auf Fehler oder Probleme reagieren. Die Lebensqualität wurde mithilfe eines Fragebogens speziell für Personen mit Erkrankungen des Verdauungstraktes („Digestive Disease Quality of Life Questionnaire-15“, DDQ) und mit einem weiteren Fragebogen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität (Short Form-36, SF-36) erfasst. Alle 25 Patienten, welche die Kolonirrigation erlernt hatten, wandten diese auch bis zum Ende der zwölfmonatigen Studie an. Es wurden keine mechanischen oder metabolischen Komplikationen beschrieben, lediglich zwei Studienteilnehmer gaben leichte abdominelle Schmerzen nach der Instillation an. Durch Reduzierung des Volumens der Spülflüssigkeit konnten diese Beschwerden aber bei den Folgeanwendungen behoben werden. Anfänglich wurden rund 30 bis 45 Minuten für jede Spülung benötigt, später mit mehr Erfahrung nur noch 15 Minuten. Nach zwölf Monaten gaben 22 Probanden eine völlige und drei eine partielle Kontinenz während der Zeit zwischen den Irrigationen an. Keiner der 25 Patienten benutze Auffangbeutel. 15 Patienten führten die Spülung jeden Morgen durch (24-Stunden-Intervall) und 10 Patienten  im 48-Stunden-Intervall. Die Probanden, die sich gegen eine Kolonirrigation entschieden hatten, benutzten durchgehend Auffangbeutel wegen unkontrollierbaren Stuhlabganges. Die Lebensqualität vor und nach der Stomatherapie war in beiden Gruppen angestiegen, sie war in der Gruppe mit Kolonirrigation höher als in der Vergleichsgruppe.

Quelle: Karadag, A./Mentes, B./Ayaz, S.: Colostomy irrigation: results of 25 cases with particular reference to quality of life. Journal of clinical nursing, 14 (2005): 479–485 Doi: 10.1111/j.1365-2702.2004.01083.x

Kommentar:

Obwohl die Studie mit relativ geringer Fallzahl und ohne Randomisierung (zufällige Zuweisung in Interventions- bzw. Vergleichsgruppe) durchgeführt wurde, hat sie doch wichtige Ergebnisse gebracht. Es wurde gezeigt, dass die Methode der Irrigation kaum unerwünschte Nebenwirkungen hat, was auch dazu beitrug, dass alle Probanden die Methode auch durchgehend anwendeten. Das Hauptziel, eine Stuhlkontinenz, konnte erreicht werden.

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